Spirulina: Wundermittel oder nur Placebo?




spirulina alge

Die Süßwasseralge mit der intensiv grünen Farbe wird seit Jahren als „das vitalstoffreichste Lebensmittel der Welt“, gelobt. Besonders ihr hoher Gehalt an Mineralien, Spurenelementen und Vitaminen soll für ein starkes Immunsystem und stabile Gesundheit sorgen. In letzter Zeit wurden allerdings viele kritische Stimmen laut, die Spirulina als unnötig und überflüssig bezeichneten.

Was steckt tatsächlich drin?

Spirulina hat einen sehr hohen Anteil an Chlorophyll, Calcium, Eisen, Magnesium, Selen, Phosphor und ß-Carotin. Vitamin B 12 findet sich leider überwiegend in einer für den Menschen nicht verwertbaren Form in der Blaualge. Gut schneidet sie dagegen wieder beim hohen Proteingehalt ab, denn im Eiweiß der Alge sind alle essentiellen Aminosäuren enthalten. Diese sind für uns ausgesprochen wichtig, denn ohne Aminosäuren können wir nicht leben, sie sind Grundlage der Stoffwechselprozesse im Körper.
Viele Menschen haben durch Stress, mangelhafte Ernährung und chronischen Erkrankungen einem Mangel an Aminosäuren, was ständige Leistungsschwäche, Abgeschlagenheit und Müdigkeit verursacht.

Mit einem Proteinanteil von 60 % ist die kleine Alge ein echter Spitzenreiter unter den Nahrungsergänzern. Besonders wertvoll sind diese Proteine für uns, weil zu einem großen Teil vom Körper nicht selbst hergestellt werden können, wir also auf eine gute Versorgung durch die Nahrung angewiesen sind. Spirulina kann aber nicht unseren gesamten Bedarf an Proteinen decken und ist deshalb auch kein Ersatz für eine hochwertige und abwechslungsreiche Ernährung.
10 g Spirulina decken bereits zu einem großen Teil den täglichen Bedarf eines Erwachsenen ab. Alle die ihr Gewicht reduzieren wollen können sich freuen, denn die Blaualge hat kaum Kalorien. Wer also abspecken will, oder sich vegan ernährt, hat hier eine effektive Eisen- und Proteinquelle zur Verfügung, die garantiert nicht dick macht.

Auch wer krankheitsbedingt an einem ständigen Nährstoffmangel leidet, hat in der kleinen Blaualge ein wertvolles Produkt, das ihm hilft sich optimal zu ernähren. Das gilt besonders bei Schilddrüsenerkrankungen, denn die Spirulina enthält nur wenig Jod, das man bei Unterfunktionen der Schilddrüse durch Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto vermeiden muss.
Ein weiteres „Plus“ ist die ihre gute Verwertbarkeit, denn die Zellwand der Spirulina Alge besteht nicht aus Zellulose, die nur schwer aufgespalten werden kann. Ihre organisch gebundenen Vitalstoffe können von Körper schnell und effektiv aufgenommen werden.

Aber in Spirulina steckt noch mehr Gutes, hervorzuheben ist vor allem das Phycocyanin. Der blaue Farbstoff wirkt als Entgifter und Radikalfänger, hauptsächlich für unseren innere Organe wie Leber und Nieren, die für die Entgiftung zuständig sind und deshalb mit dem ganzen „Müll“ des Stoffwechsel fertig werden müssen. Das Phycocyanin schützt ihre Zellen vor Beschädigungen und hält sie leistungsfähig.
Ein besonderer Stoff ist auch die Gamma-Linolensäure, die in der Spirulina steckt: Sie ist eine sehr wichtige, ungesättigte Fettsäure des Typs Omega-6 und für alle Funktion unserer Körperzellen verantwortlich. Auch unsere Nerven kommen ohne Omega – 6 Säuren nicht aus, mit ihrer entzündungshemmenden Wirkung sind sie zusätzlich vorbeugend und lindernd bei allen rheumatischen Beschwerden.
Spirulina versorgt uns auch mit Enzymen, die als biologische Katalysatoren arbeiten. Enzyme wirken wie „Schlüssel“ für die Zellen, so dass wichtige Stoffe wie Vitamine überhaupt in die Zellen gelangen können. Wenn Enzyme fehlen oder blockiert sind kommt es zu Resistenzen wie bei der Altersdiabetes: Das Insulin kann nicht mehr in die Zelle gelangen um dort seine Arbeit zu machen.
Zusätzlich beschleunigen Enzyme unsere Stoffwechselvorgänge und sind deshalb extrem wichtig für uns.
Bei Kauf von Spirulinaprodukten, heißt es wachsam sein, denn es gibt Produkte auf dem Markt die mit Microcystinen belastet sind, die krebserregend sein können. Die Gefahr einer Kontaminierung mit den giftigen Bakterien besteht hauptsächlich, wenn die Alge aus offenen Seen stammt und nicht in geschlossenen Becken gezogen wurde. Man sollte deshalb unbedingt auf die Qualität, die Herkunft und die Aussagen des Herstellers achten.
Ist Spirulina nun ein Wundermittel? Wundermittel gehören grundsätzlich in das Reich der Mythen und Fabeln, aber die kleine Blaualge ist eine ausgesprochen wertvolle Ergänzung zu einer gesunden Ernährung, wenn sie aus einer Qualtiätszucht stammt. Besonders für Menschen, die stressbedingt, durch chronische Erkrankungen oder ihre vegane Ernährung hochdosiert Vitalstoffe brauchen. Allerdings sollten sich die Vertreiber mit manchen Versprechungen etwas zurückhalten, denn es handelt sich hier nicht um ein Medikament das im Handumdrehen bestehende Krankheiten heilt.

Gastautor: Elke Schlemm, sie betreibt einen Foodblog: www.apfel-broccoli.de.


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